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Universität der Vereinten Nationen erforscht in Dresden Zusammenhänge bei der Bewirtschaftung von Ressourcen

Mit dem weltweiten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum steigt der Bedarf an Wasser, Nahrung und Energie ständig an. Mehr denn je ist eine nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen geboten. Das 2012 in Dresden gegründete Institut UNU-FLORES (United Nations University Institute for Integrated Management of Material Fluxes and of Resources) will einen Beitrag leisten zur Lösung dieser globalen Herausforderung. Es arbeitet eng mit der Technischen Universität Dresden und weiteren Forschungseinrichtungen in Sachsen zusammen.




  • Prof. Dr. Christian Bernhofer, Direktor des Instituts für Hydrologie und Meteorologie der TU Dresden, war von Anfang an dabei und leitet heute das Doktoranden-Programm von UNU-FLORES für die TU. Er erklärt die Aufgaben und Ziele des UNU-Instituts.


 


Prof. Bernhofer, was muss man sich unter der Universität der Vereinten Nationen vorstellen?


Die UNU entstand Anfang der 1970er-Jahre, um die Vereinten Nationen unabhängig von nationalen Interessen zu beraten und auf wissenschaftlicher Basis Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Der Hauptsitz ist in Tokio. UNU-Institute gibt es weltweit, darunter zwei Standorte in Deutschland: in Bonn und seit 2012 eben auch in Dresden.



Was geschieht am UNU-FLORES-Institut in Dresden?


Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit der Bewirtschaftung von Wasser, Boden und Abfall und deren komplexen Zusammenhängen. Sie analysieren zum Beispiel, wie sich Material in diesen Bereichen so steuern lässt, dass wertvolle Grundstoffe nicht immer mehr verdünnt werden. Ihre Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Strategien zum nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen zu entwickeln. Es wurden fünf Gruppen gebildet zu den Themen Wasser, Boden und Landnutzung, flüssige und feste Abfälle, Zusammenhang zwischen Wasser-Boden-Abfall sowie Capacity Development.



Was bedeutet Capacity Development?


Darunter verstehen wir Maßnahmen zur Förderung von Kapazitäten wie Bildung, Ausbildung, Bekämpfung struktureller Defizite und Ertüchtigung von Institutionen – wichtige Voraussetzungen, um die Herausforderungen zu bewältigen und Kompetenzrangeleien zu vermeiden.



Welche konkreten Projekte werden bearbeitet?


Ein Beispiel ist die sichere Nutzung von Abwässern in der Land- und Forstwirtschaft. Unter welchen Bedingungen können Abwässer für die Pflanzenerzeugung eingesetzt werden? Hier geht es um Fragen der Abwasserreinigung, Auswahl geeigneter Pflanzenarten wie etwa Energiepflanzen oder Anbaumethoden wie Agro-Foresty, das sind gemischte Kulturen aus Land- und Forstwirtschaft.


Andere wissenschaftliche Fragen konzentrieren sich auf Afrika. Sie untersuchen etwa die Bedeutung von Dürren für die Landwirtschaft oder die Neuaufstellung urbaner Abwassersysteme. Es existieren ja verschiedene Systeme zum Auffangen, Kanalisieren und Klären von Abwasser und dabei muss immer der Schutz des Grundwassers und des Oberflächenwassers bedacht werden.



Gibt es schon Ergebnisse?


Zunächst geht es immer darum, den Status zu ermitteln. Dann werden Forschungsanträge gestellt. Erste Untersuchungen liegen zum Projekt „Waterpoints“ vor, das den Zusammenhang von Wasserstellen und Landschaftsnutzung erforscht. Sie betrachten nicht nur Art und Standort einer Wasserstelle, ob Brunnen oder Wasserhahn, sondern auch Reaktionen der Bevölkerung darauf. Steht genügend Wasser zur Verfügung, können z. B. Tiere besser getränkt werden. Die Folge sind größere Herden, was wiederum Auswirkungen auf die Landnutzung hat. Auch soziale Phänomene spielen eine Rolle. Das Beispiel zeigt, wie eine einzelne Maßnahme, etwa das Anlegen einer Wasserstelle, auch neue Probleme schaffen kann.


Und da wären wir beim besonderen Ansatz von UNU-FLORES – Stichwort Nexus.


Das Wort bedeutet Verbindung, Zusammenhang. Das Besondere am Nexus-Ansatz ist eine zusammenhängende, integrative Betrachtungsweise, die verschiedene wissenschaftliche Fachrichtungen berücksichtigt. Wir sehen die Themen Wasser, Boden, Abwasser nicht separat, sondern ganzheitlich. Nur so wird man der Komplexität der Probleme gerecht. Eine nachhaltige Bewirtschaftung von Umweltressourcen ist nur durch integriertes und ganzheitliches Management möglich.


UNU-FLORES will den Nexus-Ansatz weiter voranbringen, auch international. Im März (25. – 27. März 2015) findet in Dresden die erste Nexus-Konferenz statt. Wir erwarten dazu Wissenschaftler aus allen Teilen der Welt, die sich mit Wasser, Boden und Abfall beschäftigen. Das Treffen soll künftig alle zwei Jahre in Dresden stattfinden.



Warum wurde das Institut in Dresden gegründet?


Etwa 2009 haben wir an der TU Dresden in den Umweltwissenschaften damit begonnen, ein Konzept für das Institut zu erarbeiten. Wir wollten die Forschung stärker in einen internationalen Kontext stellen und unsere Kompetenzen dort einbringen, wo sie gebraucht werden. Dazu haben wir Problemstellungen identifiziert. Gerade im Umweltbereich gibt es in Deutschland viele gute Lösungen, die sich zum Teil auf andere Länder übertragen lassen.


In einem internationalen Workshop in Dresden wurde Ende 2010 das Konzept weiterentwickelt. Mit dabei waren auch Vertreter der UN und der Universität der Vereinten Nationen. Ein weiteres Treffen fand in Maputo (Mosambik) statt, wo ein Partnerinstitut aufgebaut wird.



Wie ist der Stand drei Jahre nach der Eröffnung?


Ich finde, UNU-FLORES ist äußerst aktiv und schnell vorwärts gekommen. Derzeit hat das Institut etwa 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu zählen der Direktor, Prof. Dr. Reza Ardakanian, die fünf sogenannten Academic Officers als Leiter der Arbeitsgruppen, weitere technische und akademische Mitarbeiter sowie einige Praktikanten. Außerdem wurden fünf Promotionsstellen geschaffen, die auf 15 ausgebaut werden sollen. Der Aufbau des Institutes ist auf vier Jahre ausgelegt und soll Ende 2016 abgeschlossen sein. Anschließend geht es darum, UNU-FLORES als Dauerinstitution in den Köpfen und Strukturen zu verankern.



Welche Rolle spielt das Doktorandenprogramm?


Gerade auch hier steht der Nexus-Ansatz im Mittelpunkt. Die ersten Doktoranden kommen im Februar, zwei aus Afrika, zwei aus Asien und einer aus Deutschland. Gemeinsam mit den Academic Officers und in enger Kooperation mit der TU bearbeiten sie unterschiedliche Themen.


Wir wollen Experten wie Umweltwissenschaftler, Ingenieure oder Manager ausbilden, damit sie in ihrer Heimat das nachhaltige Management von Wasser, Boden und Abfall durchführen und vorantreiben können.



Wie wird das Institut finanziert?


Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst fördern UNU-FLORES mit je einer Million Euro pro Jahr. Hinzu kommen Drittmittel für Projektforschung. Manche Doktoranden erhalten Stipendien aus ihren Herkunftsländern.



Was bringt UNU-FLORES für Sachsen?


Das erste Institut der Universität der Vereinten Nationen in Ostdeutschland zu haben, ist schon etwas Besonderes. Durch die Kooperation mit UNU-FLORES werden sächsische Forschungsrichtungen auf internationaler Ebene gestärkt. Außerdem entstehen Kontakte zu neuen Märkten. Davon können auch sächsische Firmen profitieren.

Weiterführende Links
UNU-FLORES in Dresden ist eine von drei deutschen Außenstellen der Universität der Vereinten Nationen (UNU). Hier wird das seit 2014 gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden initiierte Doktorandenprogramm „Integriertes Management von Wasser, Boden und Abfall“ koordiniert.

UNU-FLORES in Dresden ist eine von drei deutschen Außenstellen der Universität der Vereinten Nationen (UNU). Hier wird das seit 2014 gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden initiierte Doktorandenprogramm „Integriertes Management von Wasser, Boden und Abfall“ koordiniert. (Quelle: UNU-FLORES)

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