Von der WG-Küche zum Hidden Champion der Chipindustrie

Die aSpect Systems GmbH in Dresden beweist, dass Innovation keine Domäne der Halbleiterkonzerne ist. Das 30-köpfige Team schließt eine europäische Marktlücke, um die letzte Meile der Chip-Produktion zu sichern. Hier findet die finale Qualitätskontrolle von komplexen und Spezial-Schaltkreisen statt.

200mm-Wafer mit nur einem großen Schaltkreis im Format 100x150mm. Derartige Bildsensoren werden Wafer Scale Image Sensor genannt und finden Verwendung in medizintechnischen Röntgengeräten.
Quelle Aspect Systems GmbH, Dresden

aSpect Systems gehört zu AEMtec aus Berlin. aSpect liegt versteckt in einem betagten Ziegelbau im stillgelegten Leipziger Bahnhof von Dresden. Hinter den Mauern verbirgt sich ein 260 Quadratmeter großer Reinraum, Hightech-Messtechnik und Roboter, die Technologieschritte ausführen, die Europa eigentlich schon vor Jahrzehnten an Asien verloren hat: Nach der Wafer-Fertigung durch eine beliebige Foundry erfolgt zunächst der Wafer-Test und nach der Endmontage bei AEMtec in Berlin erfolgt in Dresden die finale Qualitätskontrolle von Schaltkreisen.

Das agile Team hat sich auf Spezialanfertigungen, Kleinserien und besonders komplexe ingenieurlastige Projekte spezialisiert, die für die riesigen Backend-Fabriken in Fernost zu kompliziert und unrentabel wären. Hier in Dresden entstehen die letzten, entscheidenden Schritte, damit aus einer großen Siliziumscheibe ein fehlerfreies, verwendbares Elektronikbauteil wird. Das Unternehmen entwickelt beispielsweise im Kundenauftrag bildgebende Elektronik, charakterisiert Kunden-Wafer und kümmert sich um den Prototypenbau.

So verarbeitet und testet aSpect Systems beispielsweise Chips für Elektronenmikroskope, Lithografie-Systeme und Großdetektoren für Röntgengeräte. Einige der Schaltkreise sind kleiner als ein Kartoffelchips-Krümel, andere so groß wie ein XXL-Pasta-Teller. Auch die Entwicklung von automatisierten, mit Künstlicher Intelligenz (KI) unterstützten Defekt-Erkennern gehört zu ihren Spezialgebieten. Das Produktportefeuille des Unternehmens ist einzigartig in Europa, betont Marcus Verhoeven, neben Robert Giertz und Philipp Gottesleben ein Geschäftsführer von aSpect Systems.

Die Geschichte dahinter ähnelt den Stories von Garagenfirmen aus dem Silicon Valley: In einer WG-Küche identifizierten Gottesleben und Verhoeven eine Marktlücke und gründeten im Jahr 2003 ihr eigenes Unternehmen. Aus dieser Pionier-Ära heraus wuchs aSpect Systems stetig und gewann zahlreiche Technologieunternehmen als Kunden. Ein wichtiger Meilenstein in der jüngeren Unternehmensgeschichte war der Zusammenschluss mit der AEMtec Group im Jahr 2024. Diese strategische Partnerschaft bündelt die globale Reichweite und Expertise von AEMtec im „Advanced Packaging“ mit der technischen Expertise von aSpect Systems im Halbleiter-Testumfeld.

Für das aSpect-Team ist die Dresdner Neustadt genau der richtige Standort für Hightech-Projekte - der richtige Ort zum Konstruieren und Experimentieren eben. Ein passendes Statement für ein Unternehmen, das fernab von Hochglanzfassaden beweist, dass wahre Innovation aus Leidenschaft, Expertise und der mutigen Entscheidung entstehen kann, eine eigene Firma in einer WG-Küche zu gründen.

aSpect Systems GmbH, Dresden