Leipzig: Finanzierung und FuE-Kooperation zur Superkraft der Muttermilch im Kampf gegen Infektionen
Eine FuE-Kooperation zwischen dem Biotech-Unternehmen Primogene und dem Fraunhofer IZI will herausfinden, wie wirkungsvoll natürliche Bestandteile menschlicher Muttermilch sind. Parallel sammelt Primogene 4,1 Mio. Euro ein, um bioaktive Moleküle aus der Natur in industriellem Maßstab zu produzieren.
Seit Langem als Goldstandard in der Säuglingsernährung bekannt, könnte Muttermilch auch der Schlüssel zur Prävention und sogar Behandlung schwerwiegender Infektionen über das Säuglingsalter hinaus sein.
Von Geburt an profitieren gestillte Säuglinge von einem geringeren Risiko für Infektionen – ein Umstand, der Wissenschaftler schon lange fasziniert. Das Geheimnis liegt in der komplexen Mischung bioaktiver Moleküle in der menschlichen Milch: Zucker wie humane Milch-Oligosaccharide (HMOs), spezielle Glykoproteine, Glykopeptide und Glykosaminoglykane – sie alle helfen dabei, das Immunsystem des Säuglings zu formen und schädliche Krankheitserreger abzuwehren.
Forschungskooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI, Leipzig
Nun gehen die Forscher einen Schritt weiter – sie reproduzieren bioaktive Bestandteile der Muttermilch im Labor und testen ihr Potenzial zur Krankheitsprävention – im Rahmen eines Projekts mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Millionen Euro. Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SWMA) fördert das vielversprechende Projekt aus Mitteln des Freistaats Sachsen und der Europäischen Union (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung EFRE).
Ein zentrales Ziel des Projekts ist das RS-Virus (Respiratorisches Synzytial-Virus) – der häufigste Grund für Krankenhausaufenthalte bei Säuglingen weltweit. Auch in Europa (einschließlich Deutschland) gilt RSV als eine der Hauptursachen für pädiatrische Hospitalisierungen im ersten Lebensjahr eines Kindes, insbesondere während der RSV-Saison im Herbst/Winter. Zwar existiert bisher keine breit wirksame Behandlung, jedoch zeigen gestillte Kinder eine deutlich höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber RSV. Durch die Nachbildung von Molekülen, die einzigartig für Muttermilch sind, mit seiner firmeneigenen HuReCa®-Plattform stellt Primogene bioaktive Inhaltsstoffe bereit, die bei Fraunhofer IZI in zellbasierten und präklinischen Studien getestet werden.
Doch die Forschenden glauben, dass die Wirkung noch viel weiter reichen könnte. Eine der drängendsten Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit ist heute Sepsis – eine lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf Infektionen. In Deutschland stirbt alle sechs Minuten ein Mensch an Sepsis. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und richtig behandelt, lässt sie sich meist verhindern. Leider bleibt Sepsis häufig unterdiagnostiziert und ist noch immer unzureichend erforscht.
Die Ambition des Projekts ist groß: Zu zeigen, dass Muttermilch nicht ausschließlich Säuglingen vorbehalten ist, sondern eine erforschte Quelle funktioneller Inhaltsstoffe darstellt – mit Vorteilen für Menschen jeden Alters. „Muttermilch ist eine einzigartig entwickelte Mischung aus Nährstoffen und funktionellen Verbindungen, fein abgestimmt über Millionen Jahre, um das menschliche Leben von Anfang an zu unterstützen und zu schützen“, sagt Dr. Reza Mahour, CEO von Primogene. „Es ist an der Zeit, über das Säuglingsalter hinauszudenken und ihr Potenzial zu nutzen, um die Gesundheit über den gesamten Lebensverlauf hinweg zu fördern.“
Primogene sammelt 4,1 Millionen Euro ein, um komplexe bioaktive Moleküle aus der Natur in industriellem Maßstab zu produzieren
Das in Leipzig ansässige Biotech-Start-up Primogene GmbH hat sich zudem 4,1 Millionen Euro an Finanzmitteln gesichert, um komplexe bioaktive Moleküle in großem Maßstab auf den Markt zu bringen. Mithilfe einer proprietären enzymatischen Plattformtechnologie produziert das Unternehmen Biomoleküle, die mit ihren natürlichen Vorlagen identisch sind – und zwar nachhaltig, kosteneffizient und im industriellen Maßstab. Primogene bedient vielfältige Märkte, von Säuglingsnahrung und Gesundheitsprodukten für Erwachsene bis hin zu pharmazeutischen Rohstoffen und Körperpflegeprodukten.
Die Seed-Finanzierungsrunde wird vom High-Tech Gründerfonds (HTGF) angeführt, weitere Investoren sind der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS), better ventures, die Sächsische Beteiligungsgesellschaft (SBG), die Golzern Holding GmbH, die FS Life Science Investment GmbH sowie Dr. Marc Struhalla (Gründer und CEO der c-LEcta GmbH). Das neue Kapital wird für den Ausbau des IP-Portfolios, strategische Partnerschaften und die Erweiterung der Produktionskapazitäten verwendet.
Über das Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI)
Das Fraunhofer IZI ist ein Forschungsinstitut mit dem Fokus auf die Entwicklung von Diagnostika und Therapien gegen Infektions- und immunbedingte Erkrankungen. Es verfügt über umfangreiche Expertise in der präklinischen Prüfung von Wirkstoffen gegen virale, bakterielle und andere krankheitserregende Infektionen.
Über Primogene GmbH
Primogene ist ein innovatives Biotechnologieunternehmen mit Sitz in Leipzig, das sich auf die Entwicklung biotechnologischer Herstellungsverfahren für bioaktive Inhaltsstoffe spezialisiert hat. Der Schwerpunkt liegt auf Verbindungen, die ausschließlich in menschlicher Muttermilch vorkommen und das Potenzial haben, die Gesundheit in allen Lebensphasen zu fördern.