Dresden: Fortschritt in der Krebsimmuntherapie

Die Early Clinical Trial Unit (ECTU) am NCT / UCC Dresden hat im Rahmen einer klinischen Studie erstmals die Krebsimmuntherapie IMA401 bei Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren getestet. Die Ergebnisse zeigen eine gute Verträglichkeit und deutliche Zeichen für eine Wirksamkeit.

IMA401 ist ein sogenannter bispezifischer T-Zell-Engager (TCER), der Krebszellen gezielt mit T-Zellen verknüpft und so das Immunsystem direkt gegen den Tumor aktiviert. Dafür bindet das Molekül zwei Ziele gleichzeitig: ein in den Tumorzellen gebildetes Eiweiß, das Tumorantigen MAGEA4/8, und ein Molekül auf der Oberfläche körpereigener Abwehrzellen (CD3). Diese Abwehrzellen, sogenannte T-Lymphozyten, werden dadurch zielgerichtet an die Tumorherde geleitet und aktiviert, sodass sie die Krebszellen zerstören.

In der jetzt vorgestellten Studie erhielten 61 Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, die nicht mehr auf Standardbehandlungen ansprachen, am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus (UKD) IMA401 als Infusion, zum Teil in Kombination mit dem bereits zugelassenen Immuntherapeutikum Pembrolizumab. „Unsere wichtigsten Ziele waren, die Sicherheit von IMA401 nachzuweisen und die optimale Dosis für die weitere Entwicklung festzulegen“, erläutert Studienleiter Prof. Martin Wermke, Leiter der Early Clinical Trial Unit (ECTU) am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT / UCC) und Professor für Experimentelle Tumortherapie.

Die Behandlung erwies sich insgesamt als gut verträglich: Die häufigsten therapiebedingten Nebenwirkungen waren durch die gewünschte Aktivierung des Immunsystems bedingt. Die Studie zeigte bei mehreren Tumorarten ein Ansprechen auf die Behandlung, darunter Lungenkrebs, schwarzer Hautkrebs und neuroendokrine Tumoren. Die größte Patientengruppe bildeten jedoch Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren. Hier konnte bei vier von 14 im optimalen Dosisbereich behandelten Patienten eine relevante Tumorschrumpfung beobachtet werden. Bei drei dieser vier Personen hielt das Ansprechen zum Zeitpunkt der Analyse weiterhin an. Die mediane Ansprechdauer, also die Wirksamkeit der Behandlung, lag bei 8,8 Monaten.

„Die Ergebnisse der Studie sind ein deutlicher Fortschritt für unsere Patienten, denen in dieser Situation sonst nur sehr begrenzt wirksame Chemotherapien angeboten werden können“, ordnet Martin Wermke die Ergebnisse ein. „Besonders spannend ist, dass es mit IMA401 gelingt, Tumormerkmale zur Immuntherapie zu nutzen, die sich nicht auf der Oberfläche der Tumorzelle befinden, sondern in ihrem Inneren lokalisiert sind. Aufgrund der guten Verträglichkeit besteht die Möglichkeit, IMA401 mit anderen Immuntherapien zu kombinieren. Wir werden IMA401 in Kürze mit einem ähnlichen, aber gegen ein weiteres Tumormerkmal gerichteten TCER bei Lungenkrebs prüfen. Wir erhoffen uns davon eine noch bessere Wirksamkeit.“

  • Die Early Clinical Trial Unit (ECTU)

Die Early Clinical Trial Unit (ECTU) des NCT / UCC Dresden ist spezialisiert auf die Durchführung früher klinischer Studien. „Wir sehen unsere ECTU als eine Möglichkeit, Patienten in der Region neue Krebstherapien früh und so sicher wie möglich zugänglich zu machen. Die aktuell publizierte Studie zu IMA401 ist ein besonders prominentes Beispiel für die Wirksamkeit dieses Ansatzes“, ist Prof. Martin Bornhäuser, einer der geschäftsführenden Direktoren des NCT / UCC Dresden und Direktor der Medizinischen Klinik I am UKD, erfreut.