Wie die Elbe beim Heizen hilft: Schlüsselprojekt für die Dekarbonisierung der Fernwärme in Dresden
Eine 50 Megawatt starke Flusswasserwärmepumpe soll voraussichtlich ab 2031 die Wärme des Elbwassers in Fernwärme umwandeln und kann damit rund 16 Prozent der in Dresden benötigten Fernwärme CO2-frei erzeugen.
SachsenEnergie treibt die Wärmewende in Dresden weiter voran. In der Gestaltungskommission stellte der Kommunalversorger heute einen weiteren großen Baustein für die Dekarbonisierung der Fernwärme vor. Eine 50 Megawatt starke Flusswasserwärmepumpe. Diese entzieht dem Wasser thermische Energie und wandelt sie in nutzbare Wärme um. Anschließend gelangt die gewonnene Wärme in das zentrale Fernheiznetz und zu den Fernwärmekunden. Für diesen Prozess entnimmt die Wärmepumpe der Elbe rund 2,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, welches nach dem Umwandlungsprozess um etwa drei Grad Celsius kälter wieder vollständig in die Elbe zurückfließt. Die genutzte Wassermenge entspricht ungefähr einem Prozent der gesamten Wassermenge des Flusses. Somit ist die leichte Abkühlung des genutzten Wassers in der Elbe nicht spürbar.
Zentrales Projekt mit großer Wirkung
Was in der Elbe unbemerkt bleibt, hat für die Fernwärme einen großen Effekt. Die geplante Flusswasserwärmepumpe soll jährlich rund 300.000 Megawattstunden Wärme erzeugen und kann damit bis zu 45.000 Haushalte mit Fernwärme versorgen. Knapp die Hälfte der Dresdner Haushalte heizen aktuell mit Fernwärme und verbrauchen jährlich 1.700.000 Megawattstunden Wärme, perspektivisch noch mehr. Das Fernwärmenetz ist das Rückgrat der Wärmewende in Dresden. Die Flusswasserwärmepumpe ist ein zentrales Projekt, bei dem heimische Energiequellen die bisher erdgasbasierte Wärmeerzeugung ersetzen.
Der Vorteil einer Flusswasserwärmepumpe: die Wassertemperatur ist im Tagesverlauf deutlich konstanter als die der Luft. Bis auf sehr kalte Wintermonate mit sehr niedrigen Wassertemperaturen, kann die Flusswasserwärmepumpe fast das gesamte Jahr über Wärme erzeugen.
Projekt steht noch ganz am Anfang – bewusst frühzeitige Beteiligung
Die umfangreichen Planungen für die Großwärmepumpe haben 2023 begonnen und werden noch bis 2028 andauern. Mit der Leistung von 50 Megawatt ist es die bisher größte Wärmepumpe, die SachsenEnergie plant. Entsprechend wird das Gebäude für die Anlage 18 Meter hoch sowie 50 Meter lang und 35 Meter breit werden. Aus diesem Grund hat der Kommunalversorger bereits frühzeitig die öffentlichen Akteure eingebunden. In einem Wettbewerbsverfahren hat eine Fachjury aus Architekten, Vertretern der Stadtverwaltung und des Stadtrats sowie von SachsenEnergie aus vier Entwürfen verschiedener Architekturbüros den Siegerentwurf gewählt. Dabei stand im Vordergrund, dass sich die Flusswasserwärmepumpe funktional und architektonisch bestmöglich in das Stadtbild einfügt. Als Standort ist die Fläche unterhalb der Marienbrücke an der Kreuzung Ostra-Ufer und Pieschener Allee vorgesehen. Der Standort erwies sich in der umfangreichen Standortsuche als optimal und alternativlos, da nur an dieser Stelle gleichsam die Nähe zur Wärmequelle Elbe und zum Fernwärmenetz gegeben sind.
Die Investitionskosten liegen bei rund 92 Millionen Euro. SachsenEnergie rechnet mit einer Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) in Höhe von etwa 30 bis 35 Millionen Euro, um das Projekt auf wirtschaftliche Beine zu stellen.
Industrieflair und Aufenthaltsbereich: So wird das Gebäude der Wärmepumpe aussehen
Alle vier Architekturbüros reichten überzeugende Entwürfe für das Betriebsgebäude der Flusswasserwärmepumpe ein. Die Leipziger ZILA Architekt.innen setzten sich mit einem Konzept durch, das die Dresdner Industriearchitektur entlang der Bahnlinie vom Kraftwerk Mitte aufgreift. Eine Fassade aus Klinker und Streckmetall fügt das Gebäude harmonisch in das Stadtbild ein und knüpft an die lokale Bautradition an.
Besonders überzeugte der Entwurf durch die Integration eines öffentlichen Aufenthaltsbereichs: Entlang der zum Elberadweg gerichteten Fassade entsteht auf ganzer Länge eine überdachte Sitzgelegenheit. Zudem wird die bislang versiegelte Fläche entsiegelt und im Sockelbereich mit Sträuchern und Blumen begrünt.
Wichtiger Baustein der Wärmetransformation und für stabile Preise
Die Flusswasserwärmepumpe ist Teil eines umfassenden Transformationspfads zur Dekarbonisierung der Fernwärme. SachsenEnergie setzt künftig verstärkt auf dezentrale Erzeugung, Großwärmepumpen, Speicherlösungen sowie weitere erneuerbare Wärmequellen wie Solarthermie und Abwärme. Mit der Nutzung von Flusswasser als Energiequelle stärkt SachsenEnergie die regionale Versorgung und reduziert die Abhängigkeit von fossilen Importen. Gleichzeitig schafft das Projekt die Grundlage für stabile Fernwärmepreise und mehr Versorgungssicherheit in Dresden.