"Construction Future Lab" in Görlitz nimmt Betrieb auf

Digitale Laborbaustelle, Baurobotik, additive Fertigung und 3D-Betondruck: Das Construction Future Lab (CFLab) vereint innovative Einsatzfelder für digitale Technologien in einer einzigartigen Forschungsumgebung. Nach rund einjähriger Bauzeit erfolgte am 28. August 2026 die Schlüsselübergabe.

Die construction future lab gGmbH ist eine eigenständige und gemeinnützige Forschungseinrichtung, die aus der Technischen Universität Dresden (TUD) im Jahr 2022 ausgegründet wurde. Sie vereint anwendungsnahe Forschung und Entwicklung im Bereich digitales und automatisiertes Bauen und fokussiert Innovationen in allen Bereichen der Baubranche.

Jan Gerken, Kanzler der TUD: „Mit dem Construction Future Lab gewinnt der TUD | Campus Lausitz eine Forschungs- und Transferplattform für das Bauen der Zukunft. Hier bringen auch wir als Exzellenzuniversität unsere Kompetenzen aus Bauingenieurwesen, Maschinenwesen, Digitalisierung und Automatisierung ein, um bislang getrennte Bereiche und Prozesse miteinander zu vernetzen und neue Technologien für das automatisierte Bauen zu entwickeln. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft werden diese unter realen Bedingungen erprobt und zu praxistauglichen Lösungen weiterentwickelt. Damit steht das CFLab exemplarisch dafür, den Strukturwandel in der Lausitz durch die enge Verbindung von Spitzenforschung und Technologietransfer aktiv zu gestalten und neue Impulse für Innovation, Wertschöpfung und qualifizierte Beschäftigung in der Region zu setzen.“

  • Digitalisiertes Bauen: CFLab-Geschäftsführung blickt mit klaren Visionen auf das neue Kapitel

Die Interdisziplinarität steht beim CFLab im Vordergrund. Das spiegelt sich auch in der Geschäftsführung wider. Die drei Geschäftsführer sind Prof. Jürgen Weber (Inhaber der Professur für Fluidtronik der TUD), Prof. Frank Will (Inhaber der Professur für Baumaschinen der TUD) und Prof. Jens Otto (Inhaber der Professur für Baubetriebswesen der TUD).

Prof. Jens Otto beleuchtet dabei die baubetriebliche Sicht: „Warum werden Bauprojekte immer teurer und langsamer? Das Bauen hatte nie einen echten Ort zum Ausprobieren. Am Bau ist der Prototyp oft gleich das Produkt. Jeder Fehler kostet Geld. Wer nicht scheitern darf, wird vorsichtig und ändert nichts. Genau das ändern wir heute. Dieses Gebäude ist der Ort, an dem das Bauen scheitern darf. Nur so gelingt es draußen in der Praxis.“

Prof. Frank Will blickt auf die Baumaschine der Zukunft: „Maschinen beginnen nun, ihre Umgebung wahrzunehmen. Sie erkennen Gefahren und reagieren. Das bedeutet aber nicht das Ende des Menschen auf der Baustelle. Uns fehlen heute schon massiv Fachkräfte. Die Maschinen sollen vielmehr gefährliche und für Menschen eintönige Arbeiten übernehmen. Dafür müssen sie nachweisbar sicher sein. Und zwar im Schmutz, im Regen, direkt neben Menschen. Diesen strikten Sicherheitsnachweis führen wir ab heute hier.“

Prof. Jürgen Weber fokussiert sich auf das Zusammenspiel der Systeme: „Die einzelnen Bauteile von Maschinen sind heute bereits hervorragend. Das Problem liegt vielmehr im Zusammenspiel auf der Baustelle. Zahlreiche Unternehmen treffen aufeinander. Ihre Geräte, Programme und Daten sprechen nicht miteinander. Niemand öffnet seine Systeme einfach so. Das ist ein Vertrauensproblem. Wir brauchen dafür einen völlig neutralen Boden. Ein Haus, das keinem Hersteller gehört. Diesen Ort gibt es ab heute hier in Görlitz.“

  • Von der Vision zur realen Infrastruktur

Mit der Schlüselübergabe des CFLab Neubaus in Görlitz erweitert sich das bereits in Dresden bestehende Entwicklungsbüro. Die Kombination aus Forschungs- und Demonstrationshalle, digitaler Laborbaustelle und moderner Ausstattung schafft völlig neue Testmöglichkeiten. „Wir nutzen diese Infrastruktur für den dringend benötigten Transfer von der Forschung in industrielle Produkte und Prozesse. Dort werden Lösungen für die Bau- und Baumaschinenindustrie erforscht – in großen Verbundforschungsprojekten, mit gezieltem Anwendungsbezug und gemeinsam mit dem Mittelstand und im Rahmen von Forschungsaufträgen aus der Industrie“, so André Sitte, CFO des CFLab.

Als nächste Schritte steht die Ertüchtigung des Bestandsgebäudes an. Dort sollen ab Sommer 2027 die baurobotischen Analysen eingerichtet werden. Zudem wird zeitnah die neue Halle für 3D-Beton- und Lehmdruck errichtet. Für das Frühjahr 2027 plant das Team des CFLab bereits eine erste große Veranstaltung auf dem Gelände. Außerdem wird in Kombination mit der Projektanbahnung weiteres Personal in Görlitz Klingewalde aufgebaut.