Themenfeld Produktinnovationen
Rest- und Nebenstoffströme rücken neben der Primärnutzung bestimmter Rohstoffe ins Blickfeld für eine Steigerung der Wertschöpfung und Reduzierung der Verluste.
Klassische Rohstoffe der Lebensmittelproduktion sind pflanzliche und tierische Produkte aus Gartenbau, Landwirtschaft und Aquakultur. Hinzu kommen biotechnologisch erzeugte Rohstoffe (Biomassebestandteile, Stoffwechselprodukte der Mikroorganismenkultivierung, Zellkulturen), deren Einsatz durch Technologiereifestatus und Zulassungen noch eingeschränkt ist.
Rest- und Nebenstoffströme rücken neben der Primärnutzung bestimmter Rohstoffe ins Blickfeld für eine Steigerung der Wertschöpfung und Reduzierung der Verluste. Die Rohstoffe werden im Verlaufe der Verarbeitung durch mechanische, thermische oder biotechnologische Verfahrensschritte zu unterschiedlichsten Produkten modifiziert.
Thema 1: Neuartige Rohstoffe
Erschließung und Bewertung neuartiger, nachhaltiger Rohstoffquellen.
- Pflanzliche Rohstoffe: z.B. Hülsenfrüchte, Getreide, Pseudogetreide, Ölsaaten
- Mikrobielle und biotechnologisch gewonnene Rohstoffe: z.B. rekombinante Proteine, Exopolysaccharide, Mikroalgen
- Zell- und Gewebekulturen: z. B. kultiviertes Fleisch
- Neue tierische Rohstoffe: z. B. Insekten
- Alternative Produktionssysteme: z. B. Makroalgen
Thema 2: Innovative Lebensmittelverfahrenstechnik
Anwendung und Entwicklung moderner Technologien zur ressourceneffizienten Verarbeitung.
- Nicht-thermische Haltbarmachung: z.B. gepulste elektrische Felder (PEF), statische Hochdruckbehandlung (HPP), Ultraschall
- Strukturierung globulärer (pflanzlicher) Proteine: z.B. Spinning, Scherzellentechnologie, Extrusion, 3D-Druck
- Biotechnologische Prozessintegration: z.B. Fermentation zur Funktionserweiterung von Textur, Geschmack, Bioverfügbarkeit
Thema 3: Lebensmittelqualität
Sicherstellung sensorischer, funktioneller und sicherheitsrelevanter Produkteigenschaften.
- Sensorik & Textur: Instrumentelle und sensorische Bewertung neuartiger Produkte.
- Nährwertoptimierung: Entwicklung protein- und ballaststoffreicher Lebensmittel.
- Lebensmittelsicherheit: mikrobiologische Stabilität, Kontaminanten-Management.
- Clean-Label-Strategien: Rezepturoptimierung durch den Einsatz von funktionellen Inhaltsstoffen
Thema 4: Produktdesign
Produktentwicklung von nachhaltigen und gesunden Lebensmitteln:
- Produktentwicklung aus Upcycling-Zutaten: z.B. Backwaren, Getränke, Fleischalternativen.
- Entwicklung Entwicklung funktioneller Lebensmittel (Protein-, Ballaststoffanreicherung)
- Clean-Label-Strategien (weniger Zusatzstoffe, Transparenz)
- Reduktion von Zucker, Salz und Fett
Regulatorik
Lebensmittel unterliegen vielen regulatorischen Rahmenbedingungen, die sich in einem dynamischen Umfeld stets weiterentwickeln. In entsprechenden Informationsformaten unterstützt das Themengebiet den Wissenstransfer.
Im Allgemeinen können Lebensmittel im Rahmen der lebensmittelrechtlichen Bestimmungen ohne vorherige Zulassung in den Verkehr gebracht werden. Eine Ausnahme bilden die neuartigen Lebensmittel (Novel Foods). Sie unterliegen EU-weit einheitlichen Regelungen, um einerseits ein hohes Niveau beim Schutz der Gesundheit des Menschen zu erreichen und andererseits ein reibungsloses Funktionieren des Binnenmarkts zu ermöglichen. Daher müssen neuartige Lebensmittel einer gesundheitlichen Bewertung unterzogen werden, bevor sie in Verkehr gebracht werden dürfen.
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Informationen zu Novel Foods
Viele verarbeitete Lebensmittel weisen hohe Zucker-, Fett- oder Salzgehalte auf. Eine hohe Zufuhr von Zucker, Fetten und Salz kann ernährungsmitbedingte Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas begünstigen. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2018 die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten verabschiedet. Als Fertigprodukte werden im Sinne der Strategie verarbeitete Lebensmittel verstanden, denen Zucker, Fett und / oder Salz zugesetzt ist.
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Reduktions- und Innovationsstrategie