Satellit ATHENE-1 startet mit viel sächsischem Know-how
Der Kleinsatellit ATHENE-1 startete am 01. Oktober von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien im Zuge der Transporter-18-Mission mit einer Falcon-9-Rakete von SpaceX ins All. Aus sächsischer Sicht bemerkenswert: Etwa ein Drittel der in ATHENE-1 verbauten Technologien kommen aus Sachsen.
ATHENE-1 ist das Herzstück des Forschungsprojekts SeRANIS (Seamless Radio Access Networks for Internet of Space), das von der Bundeswehr-Universität geleitet und vom Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr gefördert wird. LuxSpace, eine Tochter des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB, und die Universität der Bundeswehr München haben den knapp 300 Kilogramm schweren Satelliten gemeinsam entwickelt und gebaut. An ATHENE-1 sind unter anderem auch das sächsische Unternehmen NEOSAT und das Raumfahrt-Start-Up Talos mit Standorten in München und Dresden beteiligt.
Er soll in eine niedrige Erdumlaufbahn (LEO) gebracht werden und dort als Technologie- und Erprobungsplattform für insgesamt 15 wissenschaftliche Experimente dienen. Im Mittelpunkt stehen satellitengestützte Kommunikation und Vernetzung, Aufklärung und Sensorik, Navigation sowie KI und Datenverarbeitung direkt an Bord des Satelliten. Dies schließt Verfahren zur Erkennung, Lokalisierung und Abwehr von Störungen ein.
Sächsische Unternehmen leisten mit ihren innovativen Technologien einen bedeutenden Beitrag zum bisherigen Gelingen des Projektes – bei der Nachrichtentechnik, Mikroelektronik oder Signalverarbeitung. Entscheidende technologische Komponenten sind “made in Saxony”. So sammeln sächsische Unternehmen praktische Erfahrung im Orbit, auf der weitere Anwendungen und Kooperationen aufbauen können. Diese Entwicklung will das SAXON-1-Konsortium fortsetzen – bis hin zu einer eigenständigen Mission aus Sachsen heraus.
Der Kopf hinter der Mission ATHENE-1, Prof. Andreas Knopp, stammt aus Bad Elster im Vogtlandkreis. Er ist Inhaber der Professur für Informationsverarbeitung an der Universität der Bundeswehr München. Dort ist Knopp auch Mitbegründer und Co-Sprecher des Forschungszentrums SPACE, in dem fakultätsübergreifend Forschung zu Raumfahrttechnologien vorangetrieben wird. SeRANIS ist ein Leuchtturmprojekt des Zentrums. 2025 trug Knopp maßgeblich zur erfolgreichen Übernahme des “TechniSat”-Standortes in Schöneck / Vogtland durch OHB bei.
- Hintergrund
Die Luft- und Raumfahrtbranche, in der in Sachsen rund 160 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit mehr als 7.000 Mitarbeitern etwa 1,4 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften, besitzt für die technologische Souveränität Europas eine strategische Bedeutung.
Das sächsische Hightech-Ökosystem leistet auch einen wichtigen Beitrag für die Bedarfe der Bundeswehr im Bereich Raumfahrt. Den größtmöglichen Mehrwert erzielen sächsische Unternehmen mit kritischen, marktrelevanten Komponenten und Subsystemen. Gerade dort verbindet sie ein Dreiklang aus Geschwindigkeit, Qualität und industrieller Relevanz.
Insbesondere in den folgenden Bereichen ist Sachsen gut aufgestellt:
- resiliente und sichere Satellitenkommunikation,
- sichere Mikroelektronik,
- Onboard-Processing (direkte Verarbeitung von Daten direkt am Ort ihrer Erfassung), Routing und verlässliche Datenpfade,
- Weltraumqualifikation durch Test und Nachweis (vorhandene Test-, Simulations- und Qualifizierungsinfrastrukturen),
- Hochleistungswerkstoffe, Materialien und Leichtbau.
Erst in der vergangenen Woche hatte der Münchner Technologiekonzern Rohde & Schwarz mitgeteilt, die Dresdner Deep-Tech-Unternehmen NEOSAT und PHYTRONIC zu übernehmen. Die beiden sächsischen Unternehmen entwickeln Technologien für Mehrantennen-Satellitensysteme und arbeiten an der weltweiten Vernetzung von Maschinen und Sensoren via Satellit sowie innovativen Übertragungsverfahren im All. Mit dieser Expertise aus Sachsen möchte Rohde & Schwarz seine Position im strategisch wachsenden Markt der Raumfahrtindustrie stärken.