Landtechnik

Landtechnik in Sachsen

Die Landtechnik hat in Sachsen eine über 150-jährige Tradition: Bereits 1856 gründete Friedrich August Raussendorf eine Landmaschinenfabrik bei Bautzen, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zu einem der größten Landmaschinenhersteller Deutschlands wuchs. Mit „Fortschritt“-Landmaschinen hatte ab den 1960er Jahren einer der weltgrößten Landtechnikhersteller seinen Sitz in Sachsen. 

Heute wird die sächsische Agrartechnik-Branche vor allem durch klein- und mittelständische Unternehmen geprägt. Diese sind in der Lage, besonders schnell auf veränderte Kundenanforderungen zu reagieren. So haben sie sich als geschätzte Zulieferer und Kooperationspartner auf dem Weltmarkt etabliert und zu wichtigen Partnern der OEMs entwickelt. 

Kernkompetenzen:

  • Fertigung von Baugruppen und Modulen
  • Entwicklung, Konstruktion und Fertigung von elektronischen und mechatronischen Komponenten
  • Intelligente Verarbeitung von Prozess- und Produktionsdaten in der Landwirtschaft.

Ein Erfolgsrezept für das sächsische Forschungs-Know-how in den Innovationsfeldern autonome Arbeitsmaschinen, Bioenergietechnik, Elektrifizierung und Leichtbau in der Landtechnik, Precision Farming sowie Lösungen für die effizient-ökologische Tierhaltung ist das enge Zusammenwirken der Wissenschaftler an sächsischen Hochschulen und Instituten mit den Anwendern in der Landwirtschaft und den Produzenten der Technik. 

     

   

Unternehmen der Landtechnik in Sachsen
Anhängefeldspritze UG mit Arbeitsbreiten bis 28 Meter von der BBG Leipzig GmbH & Co. KG (Quelle: Amazone-Gruppe)

Quelle: Amazone-Gruppe (BBG Leipzig)

Ausgewählte Unternehmen der Landtechnik in Sachsen

ISOBUS Bedienterminal field-operator 310 von WTK-Elektronik GmbH

Quelle: WTK-Elektronik GmbH

Maßgeschneiderte Elektronikbaugruppen

Als Systemanbieter entwickelt und fertigt die WTK-Elektronik GmbH in Neustadt / Sachsen maßgeschneiderte Elektronikbaugruppen für Landmaschinen mit einem Leistungsspektrum, das elektronische Steuerungen, Terminals, Jobrechner, Joysticks, Bedienpulte, Verteilerkästen und Kabelbäume sowie die Entwicklung erzeugnisspezifischer Software umfasst. Der Spezialist für Agrarelektronik besitzt u. a. Kompetenzen in punkto Technik zur teilflächenspezifischen Feldbewirtschaftung und stellt Landwirten Precision-Farming-Anwendungen zur Verfügung. Zu den Pionierleistungen des Unternehmens gehören u. a. drahtlose Handbedienterminals, agronomische Terminals sowie drahtlose ISOBUSBedien- und Steuerungssysteme. Ein Zukunftsfeld ist die Forschung an autonom arbeitenden flexiblen Modulen für einen ressourcenschonenden Ackerbau von der Saatbettbereitung bis zur Ernte.

Bodenbearbeitungsgeräte für den „intelligenten Pflanzenbau“

Auf die Entwicklung und Produktion von Bodenbearbeitungsgeräten und Pflanzenschutzspritzen ist die BBG Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig GmbH & Co. KG spezialisiert. Das Unternehmen agiert seit 1998 im Verbund der Amazone-Gruppe, einem weltweit führenden Hersteller für komplette Verfahrensketten rund um den „intelligenten Pflanzenbau“. Die Kompaktscheibeneggen, Mulchgrubber und Volldrehpflüge von BBG eignen sich für die verschiedensten Arbeitsgänge der Bodenbearbeitung. Zu den besonderen Merkmalen der Maschinen zählt die strikte Ausrichtung auf die Anforderungen der modernen Präzisionslandwirtschaft. So kommen vor allem bei den Pflanzenschutzspritzen immer mehr elektronische Komponenten zum Einsatz.

Screenshot "SimulationX" by ESI ITI GmbH

Quelle: ESI ITI GmbH

Schneller entwickeln dank virtueller Prototypen

Ein führender Anbieter von multiphysikalischer Simulationssoftware ist die ESI ITI GmbH Dresden. Mit der Eigenentwicklung „SimulationX“ können verschiedene Produktentwicklungsansätze modelliert und analysiert werden, noch bevor eine Komponente gebaut wird. Diese virtuellen Prototypen tragen dazu bei, Zeit und Kosten im Entwicklungsprozess zu sparen und Testphasen zu verkürzen. ESI ITI besitzt zudem Kompetenzen für die energieeffiziente Optimierung von Maschinen und Komponenten. 

Drohne von Apus Systems

Quelle: Apus Systems GbR

Mit Drohnen Dränagen aufspüren

Das Dresdner Start-up Apus Systems hat ein weltweit einzigartiges Service- und Softwarepaket zum Erfassen, Analysieren und Pflegen landwirtschaftlicher Entwässerungsanlagen entwickelt, das bis zu 80 Prozent Zeitersparnis beim Aufspüren von defekten Dränagen ermöglicht. Neben der bodennahen Ortung mittels GPS und Kamera nutzt Apus auch Drohnen zur Luftbildanalyse. Mit den erfassten Daten werden hochpräzise digitale Karten erstellt, die der Landwirt dank entsprechender Software direkt auf dem Feld verwenden kann und die eine Instandhaltung wesentlich erleichtern. Darüber hinaus erfasst Apus alle Werte in einem Online-Meliorationskataster, sodass hier kein Wissen mehr verlorengeht.

Mit Sensorik der Agricon GmbH ausgestatteter Traktor ermittelt während der Feldüberfahrt die jeweils notwendige Menge an Stickstoffdünger, die vom Streuer auf dem Feld ausgebracht werden muss

Quelle: Agricon GmbH

Intelligente Lösungen für den modernen Pflanzenbau

Digitaler Pflanzenbau ist das Geschäftsfeld der Agricon GmbH aus Jahna. Das Spektrum der Leistungen umfasst dabei Konzeptionierung, Entwicklung und Verkauf von teilflächenspezifischen Pflanzenbauverfahren und Managementsystemen sowie deren Integration in den landwirtschaftlichen Betrieb. Der Landwirt erhält intelligente Werkzeuge für die effiziente Organisation seines Betriebes. Die dafür entwickelten internetbasierten Datenmanagementlösungen verknüpfen Informationen – die u. a. mittels Sensorik aus dem Zustand von Boden und Pflanzen gewonnen werden – zu Handlungsempfehlungen für eine teilflächenspezifische Bearbeitung eines Feldes.

Geräte zur effizienten Gülleeinbringung sind ein Hauptprodukt der EIDAM Landtechnik aus dem erzgebirgischen Lößnitz. Die Eigenentwicklungen tragen den Namen „Innomadie“.

Quelle: EIDAM Landtechnik GmbH

Innovative Landtechnik aus dem Erzgebirge

Unter der Marke „Innomadie“ vertreibt die EIDAM Landtechnik GmbH Lößnitz eigenkonstruierte und -gefertigte Produkte. Dies sind z. B. Geräte, mit denen Gülle und Gärreste effizient auf landwirtschaftlichen Nutzflächen eingebracht werden. Neben der Gülletechnik gehören Silageverteil- und -verdichtungsgeräte zur Hauptproduktpalette des erzgebirgischen Unternehmens. Weitere Geräte für Feld-, Hof- und Stallbedarf aus eigener Entwicklung sowie als Lohnfertigung ergänzen das Spektrum. Das Team beherrscht dabei die Serienproduktion genauso wie die Herstellung von Sonderkonstruktionen. Gemeinsam mit sächsischen Partnern aus Industrie und Wissenschaft arbeitet EIDAM zudem an angetriebenen Werkzeugen, mit denen speziell schwere, harte Böden in nur einer Überfahrt schonend und energieeffizient für die Saat aufbereitet werden können, an der Praxiseinführung eines neuen Verschleißwerkstoffes und an einer neuen Systementwicklung – dem Feldschwarmkonzept. 

KNOW-HOW FÜR LEISTUNGSSTARKE MASCHINEN

Das Team der Hydrive Engineering GmbH Freital entwickelt Antriebstechnik und Steuerungssysteme, die sowohl leistungsstark und zuverlässig als auch energieeffizient und emissionsarm sind. Entscheidend für das Finden und Binden von Kunden sind immer kürzere Entwicklungs- und Inbetriebnahmezeiten. Diesem Anspruch wird Hydrive u. a. mit modernen Softwaretools gerecht. Die dynamische und realitätsnahe Systemsimulation ermöglicht eine frühzeitige Designabsicherung und ein vertieftes Systemverständnis. Die Herstellung teurer Prototypen wird auf ein Mindestmaß reduziert. Hydrive entwickelt und testet Software für Maschinensteuerungen auf eigenentwickelten Software-Prüfständen anhand von automatisierten Testfällen.

Ausgewählte Forschungseinrichtungen der Landtechnik in Sachsen

Die Konzeptstudie Venum verkörpert einen Zwei-Kabinen-Wendemähdrescher mit einklappbarem Schneidwerk. (Quelle: Technische Universität Dresden / Professur für Agrarsystemtechnik)

Quelle: Technische Universität Dresden / Professur für Agrarsystemtechnik

Flexibler, intelligenter, vernetzter

Die Mitarbeiter der Professur für Agrarsystemtechnik der Technischen Universität Dresden befördern den Paradigmenwechsel vom Größer-Schneller-Breiter-Denken hin zu intelligenter und vernetzter Technik. Sie nutzen dafür die Möglichkeiten, die durch Schlüsseltechnologien wie Automatisierung, Digitalisierung, Elektrifizierung und Leichtbau eröffnet werden. Beispiele dafür sind neue Erntetechnik-Konzepte, bei denen große Mähdrescher in kleinere, autonom agierende Einheiten aufgegliedert werden. Ein Forschungsergebnis trägt den Namen „Venum“ und ist die Konzeptstudie eines Zwei-Kabinen-Wendemähdreschers mit einem einklappbaren Schneidwerk. Weitere Projekte sind z. B. autonome Pflegeroboter für Obstplantagen oder elektrisch angetriebene Rübenernter mit hohem Wirkungsgrad in allen Lastbereichen.

Smart Farming im Fokus

Das Zentrum für angewandte Forschung und Technologie e. V. (ZAFT) an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) hat die Aufgabe, angewandte Forschung sowie Wissens- und Technologietransfer interdisziplinär zu betreiben. Das Fachgebiet „Technik in Gartenbau und Landwirtschaft“ am ZAFT hat die Entwicklung von innovativen Produkten und Verfahren zur umweltorientierten und effektiven Pflanzenproduktion, insbesondere für das Smart Farming, zum Ziel. Zu den Schwerpunkten zählt die Entwicklung von Sensoren für die Erfassung unterschiedlichster Parameter von Pflanzen, Böden und Maschinen.

Verkehrssysteme für die hochautomatisierte Landwirtschaft

Das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden beschäftigt mehr als 100 Wissenschaftler. Das Spektrum des Instituts erstreckt sich über die Bereiche Verkehrsplanung und Verkehrsökologie, Verkehrsinformation, Fahrzeug-, Antriebs- und Sensortechnik sowie Verkehrstelematik, Information und Kommunikation bis hin zu den Gebieten Disposition und Logistik. Insbesondere die Kernkompetenzen elektrische Antriebsstränge, automatische Fahrzeugführung sowie Ortungsverfahren und Trajektorienplanung für Fahrzeuge bringt das Fraunhofer IVI auch in den Transformationsprozess hin zu einer hochautomatisierten, nachhaltigen Landtechnik ein.

Vom Chemnitzer Fraunhofer-Institut IWU Chemnitz mitentwickeltes Demonstratorfahrzeug „Kulan“

Quelle: Jürgen Jeibmann / Fraunhofer-Institut IWU - Design: Felix Götze, Tom Mudra, Hans-Tobias Schicktanz

Leichtbau für den Feldeinsatz

Als Leitinstitut für ressourceneffiziente Produktion innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft liegt das Hauptaugenmerk des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz auf der Entwicklung von effizienten und intelligenten Produktionsanlagen zur Herstellung von Karosserieund Powertrainkomponenten. Ein wesentliches Arbeitsgebiet der Chemnitzer Forscher ist dabei die Entwicklung von Prozessen zur Verarbeitung neuer Werkstoffe sowie zur Herstellung innovativer Leichtbaustrukturen auch für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Gemeinsam mit Partnern entwickelte das Fraunhofer-Institut IWU das nur 300 Kilogramm schwere Demonstratorfahrzeug „Kulan“, das aber Lasten von bis zu einer Tonne transportieren kann – ideal z. B. in der Landschaftspflege einsetzbar.

Kleine, leichte Module sollen zukünftig deutlich flexibler und ressourcenschonender als heutige Technik alle Ackerbau-Aufgaben realisieren – daran arbeiten die Partner im Wachstumskern Feldschwarm®.

Quelle: Wachstumskern Feldschwarm®

Schwarmintelligenz für den Ackerbau der Zukunft

Die Landtechnik der Zukunft nimmt in Sachsen Gestalt an. Statt große, schwere, den Boden belastende Maschinen sollen kleine, leichte Module deutlich flexibler und ressourcenschonender als heutige Technik alle Ackerbau-Aufgaben realisieren. Die Idee hinter diesem technologischen Konzept heißt Schwarmintelligenz. Gemeinsam mit dem Weltmarktführer für Landmaschinen John Deere bilden sechs Unternehmen und vier Forschungsinstitute aus Sachsen den innovativen regionalen Wachstumskern Feldschwarm® und entwickeln bis Juli 2020 die Grundlagentechnologien für autonom operierende Anbaugeräte in der Landtechnik. Die sich selbst organisierenden Einheiten werden jeweils einzeln elektrisch angetrieben und über Smart-Connected-Technologien im Verbund geführt. Die Module können sowohl vor oder hinter Zugmaschinen oder autark an beliebigen Stellen auf dem Feld eingesetzt werden. Sie sind in sich so flexibel gestaltet, dass verschiedene Bearbeitungswerkzeuge zum Einsatz kommen. Damit werden alle Arbeiten von der Bodenbearbeitung über die Aussaat bis zur Ernte abgedeckt. 

Landtechnik-Netzwerke in Sachsen

Quelle: AgroSax e. V.

Kompetenznetzwerk Agrartechnik

Der Verein AgroSax e.V. fungiert als Projektträger für das Kompetenznetzwerk Agrartechnik Sachsen. Er resultiert aus dem Zusammenschluss von sächsischen Unternehmen des Landtechniksektors und Zulieferern. Ziel des Netzwerkes ist es, die Wettbewerbsfähigkeit auf nationalen und internationalen Märkten zu steigern, indem die Stärken der Mitglieder auf den Gebieten Landtechnik und Landwirtschaft, Umwelt und Umwelttechnik, Forst und Forstwirtschaft sowie Regenerative Energien gebündelt und weiterentwickelt werden. 

Quelle: Initiative Landtechnik Sachsen e. V.

Vernetzung für Wachstum in der Landtechnik

Das Netzwerk Initiative Landtechnik Sachsen e. V. wurde von sächsischen Firmen und Wissenschaftseinrichtungen der Agrartechnik gegründet, um durch nachhaltige Zusammenarbeit das wirtschaftliche Potenzial der mittelständischen Unternehmen zu erhöhen. Der Verein wirkt auch als Initiator und Kommunikationsplattform für die Entwicklung und Vermarktung neuester landtechnischer Verfahren und Ausrüstungen.

Ihr Ansprechpartner


Dr. Uwe Lienig
Strategie, Branchen, Marketing
Tel: +49 (351) 2138-136 Fax: +49 (351) 2138-109

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